Wer in Stuttgart die Schullandschaft genauer betrachtet, stellt fest, dass sich in den vergangenen Jahren etwas verändert hat. Nicht dramatisch, aber spürbar. Immer mehr Schulen suchen aktiv den Kontakt zu externen Bildungsträgern, zu gemeinnützigen Vereinen, zu privaten Nachhilfeinstituten und zu Hochschulen. Das Ziel ist konkret: Schülerinnen und Schüler, die im Regelunterricht nicht ausreichend mitgenommen werden, sollen gezieltere Unterstützung bekommen. Und das möglichst ohne lange Wege, ohne bürokratische Hürden, ohne dass Eltern selbst alles organisieren müssen.
Warum Schulen externe Partner suchen
Der Lehrermangel in Baden-Württemberg ist keine abstrakte Zahl. Im Schuljahr 2023/24 fehlten landesweit mehrere tausend Vollzeitstellen, in Stuttgart besonders an Haupt- und Werkrealschulen sowie an Gemeinschaftsschulen. Lehrkräfte, die vorhanden sind, arbeiten häufig an der Kapazitätsgrenze. Differenzierte Förderung im Unterricht bleibt dabei oft auf der Strecke.
Gleichzeitig wächst der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die außerschulische Unterstützung benötigen. Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung aus dem Jahr 2022 erhält bundesweit rund jedes vierte Kind im Grundschulalter bezahlte Nachhilfe. In Städten mit hohem Migrationsanteil und sozial gemischten Stadtteilen wie Stuttgart-Mitte, Bad Cannstatt oder Zuffenhausen ist der Bedarf überdurchschnittlich hoch.
Schulen können diesen Bedarf allein nicht decken. Das ist keine Schwäche, sondern eine strukturelle Realität. Der logische Schritt: externe Anbieter systematisch einbinden, statt sie als Konkurrenz zu betrachten.
Wie Kooperationen in der Praxis aussehen
Ein Modell, das in Stuttgart erprobt wird, ist die sogenannte schulgebundene Förderkooperation. Dabei schließen Schulen formelle Vereinbarungen mit externen Bildungsanbietern ab. Die Anbieter stellen Räume, Lernmaterialien oder digitale Plattformen, die Schule liefert die Schnittstelle zum Unterricht und sorgt dafür, dass Förderbedarf frühzeitig erkannt und weitergeleitet wird.
Ein zweites Modell arbeitet über Sozialraumbudgets. Mehrere Stuttgarter Schulen nutzen Mittel aus dem Bildungs- und Teilhabepaket (BuT), um Schülerinnen und Schüler aus einkommensschwachen Familien direkt an externe Nachhilfeangebote zu vermitteln. Der administrative Aufwand für Eltern wird dabei gezielt reduziert. Die Schule übernimmt die Koordination, der Anbieter stellt die Förderung bereit.
In Stuttgart gibt es zudem einzelne Gymnasien und Realschulen, die mit Studierenden der Universität Stuttgart und der Hochschule für Technik kooperieren. Studierende übernehmen Tutorenstunden in Mathematik, Physik und Englisch, sammeln dabei Praxiserfahrung im pädagogischen Bereich und werden über Stipendien oder Anrechnungsmodelle vergütet. Für die Schüler entstehen so niedrigschwellige Kontakte zu Hochschulbildung.
Der Beitrag privater Nachhilfeanbieter
Private Nachhilfeinstitute spielen in diesem Geflecht eine zunehmend aktive Rolle. Anbieter, die in Stuttgart ansässig sind und Nachhilfe Stuttgart als lokalen Schwerpunkt haben, haben in den vergangenen Jahren begonnen, direkte Kooperationsanfragen von Schulen anzunehmen und individuelle Förderkonzepte anzubieten, die auf die Lehrpläne Baden-Württembergs abgestimmt sind.
Der Unterschied zu klassischer Nachhilfe ist relevant. Im kooperativen Modell findet kein isolierter Einzelunterricht statt, der nichts mit dem Schulalltag zu tun hat. Stattdessen gibt es regelmäßigen Austausch zwischen Lehrkräften und Nachhilfelehrenden. Themen aus dem Unterricht werden aufgegriffen, Lücken konkret adressiert. In einigen Fällen sind Nachhilfeinstitute in schulische Entwicklungsgespräche eingebunden.
Was Kooperationen leisten können und was nicht
Es wäre falsch, Schulkooperationen mit externen Bildungsanbietern als Patentlösung zu beschreiben. Sie funktionieren dort gut, wo klare Absprachen existieren, wo Verantwortlichkeiten definiert sind und wo die Schule eine koordinierende Rolle übernimmt. Sie scheitern, wo Kooperationen informell bleiben und von einzelnen engagierten Lehrkräften abhängen, die irgendwann die Schule wechseln oder in Rente gehen.
Eine strukturierte Übersicht hilft, die wesentlichen Unterschiede zwischen funktionierenden und problematischen Kooperationsmodellen zu verdeutlichen:
| Merkmal | Gut funktionierende Kooperation | Problematische Kooperation |
|---|---|---|
| Vereinbarungsform | Schriftliche Kooperationsvereinbarung | Mündliche Absprache, personenabhängig |
| Kommunikation | Regelmäßiger Austausch, feste Ansprechpartner | Sporadisch, auf Initiative einzelner |
| Finanzierung | Klare Regelung, ggf. BuT oder Schulbudget | Unklar oder vollständig von Eltern getragen |
| Inhaltliche Abstimmung | Lehrplan- und unterrichtsorientiert | Eigenständig, ohne Schnittstelle zum Unterricht |
Konkrete Ansätze aus Stuttgart
Einige Stuttgarter Schulen haben in den vergangenen Jahren konkrete Schritte gemacht. Die Gebrüder-Schmid-Schule in Degerloch hat ein schulisches Förderzentrum aufgebaut, das externe Fachkräfte regelmäßig einbindet. Die Hölderlin-Realschule in Stuttgart-Mitte kooperiert mit einem Träger der Jugendhilfe, der auch Lernförderung anbietet. Und an mehreren Gemeinschaftsschulen im Stuttgarter Osten laufen Pilotprojekte, bei denen Nachhilfeangebote in den Ganztagesbetrieb integriert werden.
Was diese Beispiele verbindet: Sie entstehen nicht durch Zufall, sondern durch aktive Schulentwicklung. Schulleitungen, die Kooperationen als strategisches Instrument begreifen und nicht als Notlösung.
Was sich strukturell ändern müsste
Damit solche Modelle flächendeckend funktionieren, braucht es mehr als guten Willen. Folgende Voraussetzungen gelten als zentral:
- Verlässliche Finanzierungsgrundlagen: Kooperationen dürfen nicht allein von Projektmitteln abhängen, die nach zwei Jahren auslaufen.
- Koordinationsstellen an Schulen: Mindestens eine Person pro Schule sollte explizit für externe Partnerschaften zuständig sein.
- Qualitätskriterien für externe Anbieter: Nicht jeder Nachhilfeanbieter ist für schulische Kooperationen geeignet. Klare Mindeststandards fehlen bislang.
- Datenschutzkonforme Kommunikationskanäle: Der Austausch zwischen Schule und externen Partnern über Schülerfortschritte scheitert häufig an fehlenden Werkzeugen.
Baden-Württemberg hat mit dem Qualitätsrahmen Schulentwicklung ein Instrument, das Schulen bei der systematischen Weiterentwicklung unterstützt. Kooperationen mit externen Bildungsanbietern sind darin als möglicher Entwicklungsbereich aufgeführt, werden aber noch zu selten aktiv genutzt.
Stuttgart hat als Großstadt mit einer heterogenen Schülerschaft und einer dichten Bildungsinfrastruktur gute Voraussetzungen, um hier voranzugehen. Die Ansätze existieren. Was fehlt, ist ihre Verstetigung, eine strukturelle Verankerung, die über Einzelengagement hinausgeht. Das wäre ein lohnenswerter nächster Schritt.