Mathe-Schwächen in BW: Schulen und Nachhilfe kooperieren

Rund ein Drittel aller Siebtklässler in Baden-Württemberg erreicht im Fach Mathematik nicht das Mindestniveau, das die Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz vorsehen. Das ist kein neues Phänomen, aber eines, das sich nach den Schuljahren 2020 bis 2022 merklich verschärft hat. Schulen stehen unter Druck, Lehrkräfte sind knapp, und die Schere zwischen leistungsstarken und leistungsschwachen Schülerinnen und Schülern wird breiter. Wer in Klasse 5 den Einstieg in die Bruchrechnung verpasst, hat in Klasse 9 bei Gleichungen kaum noch eine Basis. Lernrückstände potenzieren sich in Mathematik schneller als in fast jedem anderen Schulfach.

Wo Schulen allein nicht ausreichen

Das Stuttgarter Kultusministerium fördert seit 2022 verschiedene Programme zur Grundlagenförderung, darunter das Projekt „Starke Basis“, das gezielt Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 und 6 an Werkrealschulen und Gemeinschaftsschulen anspricht. Trotzdem bleibt eine strukturelle Lücke: Schulen können im Regelunterricht keine echte Einzelförderung leisten. 28 Schüler in einer Klasse, 45 Minuten pro Stunde, ein Thema für alle. Wer an einem bestimmten Punkt nicht mitkommt, verliert den Anschluss, ohne dass das System automatisch reagiert.

Genau hier setzen Kooperationen an. Nicht als Notlösung, sondern als bewusste Ergänzung des schulischen Angebots. Einige Schulen in der Region haben begonnen, externe Anbieter systematisch einzubinden, statt Eltern und Kinder allein mit der Suche nach Unterstützung zu lassen.

Wie Kooperationen konkret aussehen können

Ein Beispiel aus Freiburg: Die Gemeinschaftsschule Haslach arbeitet seit dem Schuljahr 2023/24 mit einem lokalen Lernstudio zusammen. Die Schule identifiziert Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf über interne Diagnosebögen, leitet die Informationen mit Einverständnis der Eltern weiter, und das Lernstudio entwickelt daraus individuelle Förderpläne. Die Lehrkraft bleibt im Bild, der externe Anbieter liefert die Zeit und die Kleingruppenarbeit. Drei Monate nach Beginn der Kooperation hatten 14 von 19 betreuten Schülerinnen und Schülern ihre Klassenarbeitsergebnisse um mindestens eine Note verbessert.

Ein anderes Modell findet sich in Mannheim, wo eine Realschule externe Nachhilfe-Angebote direkt in die Schulmittagszeit integriert hat. Schüler, die an der Förderung teilnehmen, müssen dafür weder Elterntaxi noch Fahrtkosten einplanen. Die Hemmschwelle zur Teilnahme sinkt erheblich, wenn das Angebot in den Schulalltag eingebettet ist. Für Familien mit geringem Einkommen übernimmt das Bildungs- und Teilhabepaket in vielen Fällen die Kosten, was die Zugänglichkeit deutlich verbessert.

Digitale Formate als Teil der Lösung

Neben Präsenzangeboten gewinnen digitale Lernplattformen an Bedeutung. Gerade im ländlichen Baden-Württemberg, wo die nächste qualifizierte Nachhilfe 30 Kilometer entfernt sein kann, bieten Online-Formate eine realistische Alternative. Plattformen, die strukturiertes Üben mit direktem Feedback kombinieren, helfen besonders bei der Festigung von Rechenverfahren und dem Schließen spezifischer Lücken. Wer gezielt nach solchen Angeboten sucht, findet über Anlaufstellen wie Mathe Nachhilfe strukturierte Übungsmaterialien, die sich an Lehrplänen der einzelnen Bundesländer orientieren. Schulen können solche Ressourcen in ihre Empfehlungen an Eltern einbinden, ohne selbst die pädagogische Verantwortung für externe Angebote übernehmen zu müssen.

Wichtig ist dabei: Digitale Tools ersetzen keine persönliche Begleitung, können aber sinnvoll vorbereiten oder nachbereiten. Ein Schüler, der zu Hause selbstständig Aufgaben zur Dreisatzrechnung durcharbeitet, kommt konzentrierter in die Förderstunde. Das hat messbare Auswirkungen auf den Lernfortschritt.

Was erfolgreiche Kooperationen auszeichnet

Nicht jede Zusammenarbeit zwischen Schule und externem Anbieter funktioniert. Erfahrungen aus verschiedenen Projekten in Baden-Württemberg zeigen, welche Faktoren den Unterschied machen:

  • Klare Rollen: Schule und Anbieter definieren vorab, wer was verantwortet. Die Schule diagnostiziert und begleitet inhaltlich, der Anbieter liefert die Förderzeit.
  • Regelmäßiger Austausch: Monatliche kurze Abstimmungen zwischen Klassenlehrerin oder Klassenlehrer und Förderanbieter verhindern, dass beide Seiten aneinander vorbeiarbeiten.
  • Transparenz gegenüber Eltern: Eltern werden nicht nur informiert, sondern einbezogen. Wer versteht, was in der Förderstunde geübt wird, kann zu Hause besser unterstützen.
  • Niedrigschwelliger Zugang: Angebote, die während der Schulzeit oder unmittelbar danach stattfinden, werden deutlich häufiger genutzt als solche, die zusätzliche Fahrtwege erfordern.
  • Messbare Zwischenziele: Ohne konkrete Lernziele lässt sich kein Fortschritt erkennen. Diagnose zu Beginn, kurze Überprüfung nach sechs Wochen, Anpassung des Plans.

Die Rolle von Kommunen und Bildungsträgern

Einzelne Schulen können Kooperationen initiieren, aber ohne strukturelle Unterstützung bleibt der Aufwand hoch. Einige Landkreise in Baden-Württemberg haben begonnen, als Vermittler zu fungieren. Der Landkreis Böblingen etwa hat im Rahmen seines kommunalen Bildungsmanagements eine Übersicht lokaler Förderangebote für Schulen erstellt und Kriterien entwickelt, nach denen Schulen Anbieter bewerten können. Solche koordinierenden Funktionen auf Kreisebene nehmen Schulen Recherchearbeit ab und schaffen Verbindlichkeit auf beiden Seiten.

Bildungsträger wie Volkshochschulen spielen ebenfalls eine unterschätzte Rolle. Die VHS Karlsruhe bietet seit Jahren Förderunterricht in Kleingruppen an, der explizit auf Lehrplaninhalte des Landes abgestimmt ist. Das macht solche Angebote anschlussfähig für Schulen, die eine inhaltliche Passgenauigkeit erwarten.

Was jetzt gebraucht wird

Kooperationen zwischen Schulen und Nachhilfe-Angeboten sind kein Allheilmittel. Sie lösen keine strukturellen Probleme wie Lehrermangel oder zu große Klassen. Aber sie können den Unterschied machen für einzelne Schülerinnen und Schüler, die ohne gezielte Förderung den Anschluss verlieren würden. Dafür braucht es keine aufwendigen Programmstrukturen, sondern vor allem: Bereitschaft auf beiden Seiten, klare Absprachen und die Einsicht, dass keine Institution allein alle Bedarfe abdecken kann.

Baden-Württemberg hat mit seinem Bildungsmanagement auf Kreisebene bereits eine Infrastruktur, die solche Kooperationen unterstützen könnte. Was fehlt, ist eine konsequentere Nutzung dieser Strukturen und ein stärkeres Signal von der Landesebene, dass externe Förderangebote keine Konkurrenz zur Schule sind, sondern eine sinnvolle Ergänzung.

Anna Krüger

Redakteur/in

Anna Krüger ist Bildungsexpertin und Projektleiterin mit Schwerpunkt Schulkooperationen und nachhaltige Bildungsinitiativen in Baden-Württemberg. Nach ihrem Studium der Erziehungswissenschaften an der Universität Tübingen begleitet sie Schulen, Hochschulen und Unternehmen bei der Entwicklung innovativer Bildungspartnerschaften. Ihr Fokus liegt auf zukunftsfähiger Bildung und dem Transfer zwischen Theorie und Praxis.

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